Zusammenführung bei den Kattas

Bei den Kattas aus Madagaskar ist immer etwas los: Mal turnen die Jungtiere durch die Bäume, dann sitzen die Lemuren wieder friedlich in der Sonne und scheinen „Yoga“ zu praktizieren. Kaum fünf Minuten später beobachten alle Tiere interessiert die Besucher vor der Anlage oder warten gespannt auf die Ankunft der Tiertrainerin.

 

Es wirkt, als ob die kleine Familie aus drei erwachsenen Tieren und meist zwei bis drei Jungtieren das ganze Jahr friedlich zusammenlebt. Aber der Schein trügt: Bei den Kattas haben die Weibchen das Sagen, und die sind nicht immer gut auf die Herren des Hauses zu sprechen.

 

Nach sechs Jahren - mehr oder weniger – ruhigen Zusammenlebens beschloss das Alpha-Weibchen der Gruppe im Frühsommer, dass es nun Zeit für eine Beziehungspause mit dem Zuchtmännchen war. Die Situation drohte zu eskalieren. Um Endy vor den durchaus heftigen und gefährlichen Attacken von Weibchen Weeky zu schützen, musste der Katta-Mann, zumindest vorübergehend, das Feld räumen.

 

Das Team des Zoos stand vor einer schweren Entscheidung: Sollte Endy an einen anderen Zoo abgegeben werden, oder gab es noch die Chance auf ein Happy-End? Der Entschluss stand schnell fest – Endy sollte bleiben! Vorsorglich wurde schon beim Bau der Anlage an ein ausgeklügeltes System an Innenanlagen und Schiebern nach draußen gedacht, das den Besuchern verborgen bleibt. Somit konnte gewährleistet werden, dass das Männchen zwar ständig Sichtkontakt zu den Weibchen halten konnte, nicht jedoch Gefahr lief, vom aggressiven Weibchen attackiert zu werden. Die Jungtiere konnten ihren Vater jederzeit durch eine schmale Öffnung besuchen. Auch die Außenanlage konnte Endy während dieser Zeit im Wechsel natürlich nutzen.

 

Doch die Rückkehr des Männchens zur Gruppe musste wohl geplant sein. Das Team rund um Direktorin und zoologische Leiterin Mag. Tanja Zizdai hatte nun die Aufgabe, das Verhalten der Gruppenmitglieder genau zu beobachten, denn im Herbst beginnt die Paarungszeit der Kattas. Hier sahen die Mitarbeiter eine Chance, eine Zusammenführung zu versuchen.

 

Vor einigen Tagen war es dann soweit: die Wiedereingliederung des Zuchtmännchens konnte beginnen. Vorbereitend wurde in der gesamten Außenanlage schmackhaftes Obst und Gemüse verteilt und es stand Beschäftigungs-Material zur Verfügung, Duftspuren aus Gewürzen zogen sich quer durch die Anlage und die Tierpfleger und Zoologen standen mit unwiderstehlichen Mehlwürmern und Heuschrecken bereit. So sollte das Augenmerk der Weibchen nicht sofort auf das Männchen gelenkt werden und tatsächlich, die Aktion glückte!

 

Inzwischen hört man auch wieder den typischen Gesang der Kattas, mit dem das dominante Paar sein Revier markiert. Steigt auch der Rest der Gruppe in den Gesang mit ein, entsteht ein imposanter Chor, der den wiedergewonnenen Zusammenhalt der Gruppe eindrucksvoll darstellt.

 

Wir hoffen, nächstes Jahr wieder Katta-Nachwuchs von Endy, Weeky und Isalo begrüßen zu dürfen!